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Pressemitteilung vom 01. März 2003

180 Jahre Gebr. Frantzen

Eröffnung Verkaufs-Contor
im Museum Destille Frantzen

Gebr. Frantzen, einer der ältesten Betriebe zur Herstellung feiner Kornbrände und Liköre im Bergischen Land, kann am 24. Mai dieses Jahres ein heute eher seltenes Jubiläum feiern. 1823 ließen die Gebrüder Frantzen ihr Produktions- und Handelsgeschäft mit „gebranntem Korn“ ins Handelsregister eintragen. Gleichwohl gehen die Anfänge des „Stakeser Korns“ – benannt nach dem Ortsteil Remscheid-Stachelhausen, der um diese Zeit aus wenigen Häusern und Gehöften entlang der „Chaussee nach Remscheid“ (heutige Freiheitsstraße) bestand – sogar bis in die Jahre 1775/80 zurück, als im Keller des heute noch existierenden Fachwerkhauses No. 26 mit noch einfachen, nach französischen Mustern nachgebauten, technischen Vorrichtungen, erstmals Korn aus Roggen gebrannt wurde.

Schon um 1804/07, als Remscheid von den nach Russland ziehenden napoleonischen Truppen besetzt war (auch das Haus No. 26 war zu dieser Zeit beschlagnahmt und diente als Offiziers-Logis) erfreute sich der „Stakeser Kloaren“ steigender Beliebtheit. Die als Nebenbetrieb aus einer Bäckerei und Landwirtschaft entstandene Brennerei vermarktete ihre Produkte zunächst ausschließlich in der eigenen Gastwirtschaft. Die Bedeutung des Nebenerwerbsbetriebes wuchs stetig. Mit der Eintragung ins Handelsregister 1823 konzentrierte man sich dann auf die Erzeugung von Branntwein im größerem Stiel.

Im Jahre 1861 wurde das heute noch existierende große Brennereigebäude mit eigenem Tiefbrunnen und Wasserrecht sowie (damals) eigener Stromerzeugung errichtet. Auch eine der ersten Dampfkraft-Maschinen im Bergischen Land wurde in dem seinerzeit sehr modernen Betrieb eingesetzt. In diesen Gründerjahren des Branntweingewerbes in Preußen wurde neben der guten Ausnutzung natürlicher Ressourcen (das Getreide wurde überwiegend auf eigenen benachbarten Feldern angebaut; die entstandenen Schlempe als hochwertiges Viehfutter für die eigene Bullenmast verwendet) auch bereits auf schonende Nutzung der Umwelt Wert gelegt: das gesamte Regenwasser der Brennereigebäude und des Privathauses wurden in Teichen gesammelt und als Kühlwasser wieder verwendet!

Bis in die dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts führte ein umsichtiger Geschäftsausbau durch Carl Ferdinand Frantzen zu einer bedeutenden Marktposition in Remscheid und dem bergischen Land. In dieser für das Gewerbe wichtigen Zeit fiel die Einführung des Branntwein-Monopols, der ersten staatlichen Reglementierung überhaupt, im Jahre 1922.

Nach dem durch die Kriegseinwirkung fast vollständig zum Erlieben gekommenen Geschäft, begann noch 1947 unter heute fast unglaublich anmutendem körperlichen Einsatz und Erfindungsreichtum (in Kompensationsgeschäften) der allmähliche Wiederaufbau. Ein ganz besonderes Verdienst kommt dabei H e l m u t  F r a n t z e n zu, der unter schwierigsten Bedingungen den Wiederaufbau wagte. Im Jahr nach der Währungsreform konnte man endlich wieder den beliebten „Fusel“ genießen. Die folgenden zwei Jahrzehnte waren geprägt von einem vollständigen Strukturwandel, insbesondere in der Warenverteilung.

Wurde bis 1945 ganz überwiegend Fassware an die Gastronomie geliefert, bestimmten nun Selbstbedienungsläden und eine sich rasch formierende Konzentration von Einkaufsgesellschaften und Handelsorganisationen das Bild. Neben einer beträchtlichen Ausweitung der Produktpalette (die „Likörwelle“ rollte...) wurde nun fast ausschließlich Flaschenware an Gastronomie und Handel geliefert. Ein für den Verbraucher erfreulicher, für die Produzenten eher schwieriger Marktprozess war der stetige Preisverfall für Konsumspirituosen.

In dieser, für viele bergische Unternehmen schwierigen Phase war es das Verdienst von Helmut Frantzen, der Produkt-Qualität immer erste Priorität einzuräumen sowie den seit 1823 gepflegten Direktverkauf an Privatkunden und bergische Industrieunternehmen konsequent gefördert zu haben. Dies mag einer der wesentlichen Gründe dafür gewesen sein, dass Gebr. Frantzen auch heute noch – als eines der letzten Unternehmen im Bergischen – feinste regionale Spezialitäten anbieten können.

Seit 1991 leitet Dr. Rainer Frantzen nunmehr in der 8.ten Generation das Traditionsunternehmen. Heute konzentriert man sich in Stachelhausen ausschließlich auf den Direktvertrieb einer sehr kleinen, exklusiven Produktpalette an bergische Unternehmen und sehr wenige renommierte Gastronomiebetriebe. Selbstverständlich hat der Direktverkauf an Privatkunden auch heute noch eine sehr hohe Bedeutung. Durch alle Kunden wird indirekt (über entsprechende Präsente) der Name der Stadt Remscheid in alle Welt getragen.

Eine Marketing-Besonderheit:
Mit Produktions- (=Reifemethoden in z. T. uralten Eichenfässern) und einer sehr hochwertigen, in Handarbeit (!) hergestellten Aufmachung wird sehr bewusst an die Gründerzeit erinnert. In Remscheid-Stachelhausen geht Qualität in jedem Fall vor Quantität! Man hat und nimmt sich sehr viel Zeit bei der Herstellung von Altbergischen-Spirituosen-Spezialitäten – so wie anno dazumal.

Für die nahe Zukunft hat man sich in Remscheid-Stachelhausen besonders viel vorgenommen: Durch zwischenzeitlich erfolgten Gründung eines Museums-Vereins, das MUSEUM DESTILLE FRANTZEN e. V. ( der allerdings 2011 aufgegeben wurde ) , und dem konsequenten Auf – und Ausbau lokaler und überregionaler Netzwerke soll durch das im Aufbau befindliche Museum und die Ansiedlung weiterer ergänzender Handwerks- und Dienstleistungsgewerbe bis zum Jahre 2010 ein bedeutender Beitrag zur Aufwertung eines der ältesten Kern-Stadtteile Remscheids (wichtigstes Subzentrum mit einzigem Malteserhof in der Hofschaft Remscheid bereits 1369!) erfolgen.

Der Start ist die Eröffnung des in das entstehende Brennerei-Museum integrierten „Verkaufs-Contors“ am 24. Mai 2003. Im Rahmen der „Lebendigen Unternehmenskultur“ (einem Entwicklungsprogramm der REGIONALE 2006) wird damit ein bisher verborgener Schatz einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Darüber hinaus hat der Museumsverein die Absicht, in naher Zukunft einen aktiven Beitrag zur Vernetzung (nicht nur kommunikativ!) der Remscheider Museen zu leisten. Dies als konkreten Beitrag zu einem aktiven Stadtmarketing zu verdeutlichen, ist eines der wichtigsten Ziele des kommenden „Feiertages“ – der selbstverständlich auch als „Tag der offenen Tür“ verstanden wird - !



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